Angaloppieren – auf der "richtigen" Hand

 


Frage von Anita Bergmann:

Ich habe eine sechs-jährige Tinker-Stute, die regelmäßig geritten wird. Sie ist gut proportioniert und scheint auch gut im Gleichgewicht zu sein. Unter dem Reiter, ist sie nur sehr schwer, manchmal auch gar nicht, auf der rechten Hand anzugaloppieren, an der Longe oder beim frei laufen lassen ist das aber kein Problem für sie. Auch im Gelände springt sie öfter mal rechts an. Was kann ich tun, damit sie regelmäßig auf der rechten Hand im Rechtsgalopp anspringt?

Antwort von Peter Kreinberg:

Da die Stute regelmäßig gearbeitet wird und gut ausbalanciert ist und bei verschiedenen Gelegenheiten keine Probleme damit hat, im Rechtsgalopp anzugaloppieren, schließe ich ein anatomisches Problem bei ihr aus. Allerdings sind Pferde häufig von Natur aus auf einer Seite steifer als auf der anderen Körperhälfte. Erfahrungsgemäß fällt es den meisten schwer, sich nach rechts hin hohl zu machen und die linke Körperhälfte zu dehnen. Dies könnte bei Ihrem Pferd eine Ursache sein. Sollte diese Umstand nicht sehr ausgeprägt sein, so ist das vermutliche nicht die Ursache.

Wenn der Sattel gut passt und nicht auf einer Seite eventuell drückt, so kann es auch nicht an der Ausrüstung liegen. Es liegt deshalb vermutlich an einem Verständigungsproblem zwischen Reiter und Pferd, wenn die Stute nicht rechts angaloppiert.


Das kann verschiedene Ursachen haben:

1.  Sie sind in ihrer Reittechnik (Losgelassenheit, Haltung, Sitz und Hilfen) noch nicht weit genug geschult, um dem Pferd die nötige Sicherheit und Führung zu geben, die es zu diesem Zeitpunkt beim Angaloppieren benötigt.

2.  Sie behindern es durch Haltung und Zügelführung, so dass es sich beim Angaloppieren verspannt.

3.  Ihr Pferd hat das nötige Verständnis für die Hilfengebung noch nicht erlernt.


Folgende Übung verwende ich oft in Kursen mit Erfolg an:

Stellen sie sich eine Pilone oder einen Longierblock mit etwa drei Meter Abstand von der Band an der Mitte einer kurzen Seite auf. Nun reiten sie im Trab auf dem Zirkel. Immer etwa zwei bis drei Pferdelängen, bevor sie den Pilon erreichen, parieren sie ihr Pferd zum Schritt durch und leiten es exakt am Pilon auf eine gleichmäßige Schrittvolte.

Beginnen Sie auf der linken Hand. Lassen Sie es am losen Zügel zwei bis drei Volten gehen, achten sie darauf, dass sie mit dem inneren Schenkel und Zügel genügend einwirken, um eine Längsbiegung im taktmäßigen Schritt zu erreichen. Mit dem äußeren Schenkel achten sie darauf, dass die Hinterhand nicht ausbricht, mit dem äußeren Zügel an der Schulter begrenzen Sie die Vorhand.

Wenn die letzte Volte beinahe geschlossen ist, Sie befinden sich in einem ca. 45 Grad Winkel zur Bande, wirken sie mit dem äußeren Schenkel mit recht energischen Impulsen ein, mit der Stimme unterstützen sie die antreibenden Einwirkungen, im Sitz entlasten sie den Pferderücken. Natürlich springt ihr Pferd sofort, eventuell nach einigen Trabschritten im Linksgalopp an. Sollte es sich zögerlich zeigen, so nehmen Sie eine Gerte dazu und unterstützen die Schenkelimpulse und die Stimmkommandos mit ein, zwei kurzen Gertenstreichen. Nach einigen Wiederholungen wird ihr Pferd das Angaloppieren nach den Volten um die Pilonen in der entsprechenden Stellung zur Bande anbieten, da es diese Übung mit dem Ort verknüpft.

Nun beginnen sie auf der rechten Hand. Es ist sehr wichtig, die Biegung auf der Schrittvolte so gut als möglich zu fördern. Nach einigen Schrittvolten geben sie nun mit steigender Intensität aber nicht überfallartig Ihre Hilfen wie auf der linken Hand zuvor. Sollte es nur Traben, so treiben sie es solange an, bis es in Galopp fällt. Sollte es sofort oder nach Trabschritten in Kreuzgalopp oder Außengalopp fallen, so treiben Sie es weite, bis sie wieder einige Pferdelängen vor dem Pilon sind, gehen zum Schritt mit genügend Biegung über und lassen es auf den Schrittvolten wieder ruhig werden. Wiederholen Sie die Übung 5 – 10 mal auf der rechten Hand, wenn es sehr lange trabt, bevor es anspringt oder wenn es keinen Rechtsgalopp bietet. Dann gehen Sie in andere Übungen mit ruhigem Hintergrund über.

Training-Ablauf

Wiederholen Sie pro Trainingstag zwei bis drei mal diese Übungseinheiten 5 – 10 mal. Wechseln Sie dabei zwischen linker und rechter Hand. Hören sie früher auf, wenn Ihr Pferd sich aufregt und hektisch wird. Sollte es aus der Volte und dem Schritt mit nur ein, zwei oder gar keinem Trabschritten angaloppieren, so loben sie es, gehen noch mal zur Schrittvolte über und beenden die Lektion für den Tag.

Auf diese Weise sollte es sich nach einigen Tagen ohne Hektik aus einer Volte rechts angaloppieren lassen. Nun reiten sie nach der Volte noch einige Schritte geradeaus, bevor Sie das angaloppieren in der Gewohnten Manier fordern. Mit der Zeit sollte es nun möglich sein, mit gleicher Kombination von Stimm- und Schenkelhilfen mit Entlastungssitz anzugaloppieren. Gelingt das, so kann man damit beginnen, ausgesessen anzugaloppieren.

Ich habe Ihnen eine Vorgehensweise aufgezeigt, die zwar die Ausbildungsdefizite bei Pferd und Reiter nicht beseitigt, dennoch aber das Problem lösen hilft und zu einer verständnisvollen und funktionalen Weiterentwicklung führt. Das Pferd lernt von Ihnen dabei, das Angaloppieren auf linker und rechter Hand bewusst als ein Manöver zu verstehen und auszuführen. Hat es das einmal verstanden und die Ausführung des Manövers regelmäßig geübt, wird es keine umfassende, reiterliche Hilfengebung mehr benötigen, sondern nur noch Ausführungssignale. Es wird auch für schwächere Reiter mit nicht optimaler Hilfengebung auf beiden Seiten angaloppieren und damit im Galopp nicht mehr nur einseitig belastet werden.

 

 

Text & Foto © RK / TGT GmbH